Key updates
Jerome Kayser
Jerome Kayser
Liebe Leserinnen und Leser,

seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel mit dem anschließenden Gaza-Krieg und den Auseinandersetzungen im Nahen Osten haben wir Sie mit einem Liveblog rund um die Uhr informiert. Wir beenden an dieser Stelle den Blog zum Konflikt in Nahost. Vielen Dank für Ihr Interesse und fürs Dabeisein.
infocom-team-news@dpa.com
Hinweis: Berichte über das Kriegsgeschehen sowie Angaben von israelischer und palästinensischer Seite lassen sich nur schwer unabhängig prüfen.
Martina Lautischer

Israel verärgert wegen Besetzung von Gaza-Gremium

Israel ist wegen der Besetzung eines wichtigen internationalen Aufsichtsgremiums für den Gazastreifen durch das Weiße Haus verärgert. Die Ankündigung bezüglich der Zusammensetzung des sogenannten "Gaza Executive Board", der dem "Friedensrat" unterstellt ist, sei "nicht mit Israel abgestimmt und widerspricht dessen Politik", heißt es in einer Stellungnahme des Büros von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu. 

Dieser habe Außenminister Gideon Saar angewiesen, sich in dieser Angelegenheit mit seinem US-Kollegen Marco Rubio in Verbindung zu setze
Israels Präsident Benjamin Netanjahu. Foto: Alex Brandon/picture alliance/dpa/AP
Martina Lautischer

Tony Blair übernimmt Rolle für Übergang in Gaza

US-Präsident Donald Trump hat den ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair in ein Gremium berufen, das die Ziele des "Friedensrats" von Trump im Gazastreifen umsetzen soll. Zu dem Gründungsvorstand (founding Executive Board) gehören nach Angaben des Weißen Hauses auch US-Außenminister Marco Rubio, Weltbank-Präsident Ajay Banga, der US-Geschäftsmann Marc Rowan, Trump-Berater Robert Gabriel sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der US-Sondergesandte Steve Witkoff. Das Gremium soll den Wiederaufbau und die Verwaltung in dem vom Krieg großflächig zerstörten Gazastreifen steuern.

Die von der US-Regierung zuvor ausgerufene zweite Phase des Friedensplans von Trump soll zu einem endgültigen Ende des Kriegs führen. Sie sieht auch die Entwaffnung der islamistischen Terrororganisation Hamas vor, was diese jedoch weiterhin ablehnt. Am Donnerstag war eine neu gebildete Übergangsregierung aus 14 palästinensischen Technokraten, die keine Verbindung zur Hamas haben sollen, erstmals in Kairo zusammengekommen. Der Bulgare und frühere UN-Nahostgesandte Nikolaj Mladenow soll künftig als Vertreter des "Friedensrats" die Umsetzung von Trumps Friedensplan in dem Küstengebiet überwachen.
Der frühere britische Premierminister Tony Blair
Der frühere britische Premierminister Tony Blair. Foto: Tayfun Salci/picture alliance/ZUMAPRESS
infocom-team-news@dpa.com

Türkische Airlines streichen Flüge in den Iran 

Angesichts der angespannten Lage im Iran haben mehrere türkische Fluggesellschaften Verbindungen in das Land vorübergehend gestrichen. Pegasus habe Flüge für heute, Turkish Airlines Flüge für heute und morgen in die Städte Teheran, Maschhad und Tabris abgesagt, berichtet die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Als Grund wurden "regionale Entwicklungen" angegeben.
infocom-team-news@dpa.com

Irans Führer verurteilt Proteste – Bericht über Tote 

Irans oberster Führer verurteilt die landesweiten Proteste gegen die Staatsführung. In einer am Freitag veröffentlichten Rede sprach Ajatollah Ali Chamenei von "Unruhestiftern" und "dem Land schädlichen" Menschen. "Es gibt auch Leute, deren Arbeit Zerstörung ist", sagt er. Sie richteten Zerstörung an, "nur damit sich der Präsident der Vereinigten Staaten freut", so das Staatsoberhaupt mit Blick auf Donald Trump.

Der US-Präsident hatte der iranischen Führung bereits mehrfach mit einem Einschreiten gedroht, sollte die Staatsmacht Demonstranten töten. Am Donnerstagabend erlebte der Iran die größten Demonstrationen seit Beginn der aktuellen Protestwelle Ende Dezember. Der iranische Sicherheitsapparat hat das Internet für die Bevölkerung seit mehr als 14 Stunden vollständig abgeschaltet. Der iranische Rundfunk veröffentlichte Chameneis Rede auf Telegram. 
Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei.
Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei. Foto: Office of the Iranian Supreme Leader/AP/dpa
Nina von Schweinitz

Regierung in Syrien ruft begrenzte Waffenruhe für Aleppo aus

Nach gewalttätigen Gefechten in der nordsyrischen Stadt Aleppo hat die Übergangsregierung eine zeitbegrenzte Waffenruhe verkündet. Von 3 Uhr bis 9 Uhr Ortszeit (1 Uhr bis 7 Uhr MEZ) sollte für die umkämpften Stadtteile Scheich Maksud, Aschrafija und Bani Seid eine Feuerpause gelten, teilt das syrische Verteidigungsministerium mit. 

Bewaffnete Gruppen seien aufgefordert, die betroffenen Viertel zu verlassen. Den abziehenden Kämpfern sei es gestattet, "persönliche leichte Waffen" mitzuführen. Die syrische Armee werde den Rückzug begleiten und für einen sicheren Transport in die nordöstlichen Regionen des Landes sorgen, heißt es weiter. Von kurdischer Seite gibt es zunächst keine Reaktion auf die Ankündigung.
Angehörige der syrischen Regierungstruppen sind im Einsatz, um das Viertel Aschrafija von kurdischen Kämpfern einzunehmen.
Angehörige der syrischen Regierungstruppen sind im Einsatz, um das Viertel Aschrafija von kurdischen Kämpfern einzunehmen. Foto: Omar Albam/dpa/AP
Nina von Schweinitz

Iran-Proteste spitzen sich zu

Mehr als eine Woche nach Beginn der landesweiten Proteste im Iran erreichen die Demonstrationen in Teheran einen Höhepunkt. Videos in sozialen Medien zeigen Menschenmassen in der Hauptstadt. Augenzeugen berichten von Sicherheitskräften, die mit Tränengas gegen vermummte Demonstranten vorgingen. Videos von Aktivisten zeigen brennende Fahrzeuge der Sicherheitskräfte in Teheran.

Die Proteste kehren auch in viele andere Metropolen zurück, nachdem in den vergangenen Tagen vor allem Bewohnerinnen und Bewohner der westlichen Provinzen demonstriert hatten. In der Millionenstadt Maschhad im Nordosten berichten Augenzeugen von großen Protesten. Es sei "wie Krieg", beschreiben Einwohner die Szenen auf den Straßen. 
infocom-team-news@dpa.com

Wieder gewaltsame Vorfälle in Gaza 

Im Gazastreifen haben Extremisten trotz geltender Waffenruhe israelischen Armeeangaben zufolge ein Geschoss Richtung Israel gefeuert. Dieses sei jedoch fehlgeschlagen, teilt Israels Militär mit. Medizinische Kreise melden unterdessen, dass ein elf Jahre altes Mädchen durch israelisches Armeefeuer im Norden des Palästinensergebiets ums Leben gekommen sei. Israels Armee sagt auf Anfrage, sie gehe den Vorwürfen nach.

Zu dem fehlgeschlagenen Geschoss sagt das israelische Militär derweil, es sei aus der Stadt Gaza, die ebenfalls im Norden des Gebiets liegt, abgefeuert worden. Das Geschoss sei in der Nähe eines Krankenhauses im Gazastreifen eingeschlagen. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht. Von wem der Angriff ausging, war zunächst unklar. Israels Armee teilt weiterhin mit, sie habe den Abschussort angegriffen. Auch Augenzeugen im Gazastreifen bestätigten der Deutschen Presse-Agentur, dass eine Rakete in der Stadt Gaza abgeschossen worden und in dem Küstenstreifen niedergegangen sei. 
Foto: Abdel Kareem Hana/AP/dpa/Archivbild
infocom-team-news@dpa.com

Libanons Armee: Erste Phase zur Hisbollah-Entwaffnung beendet 

Die libanesische Armee hat nach eigenen Angaben "die Ziele der ersten Phase" ihres Entwaffnungsplans für den Südlibanon erreicht. Der Plan zur Wiedererlangung des staatlichen Gewaltmonopols befinde sich damit in einem fortgeschrittenen Stadium, heißt es in einer Erklärung der Armee. Aus Kreisen der Hisbollah heißt es, die Organisation habe keine militärische Präsenz mehr südlich des Litani-Flusses, etwa 30 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt. 

Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nannte die Bemühungen der libanesischen Regierung und Armee "einen ermutigenden Anfang". "Sie sind aber bei weitem nicht ausreichend, wie die Versuche der Hisbollah zur Wiederbewaffnung und zum Wiederaufbau ihrer Terrorinfrastruktur mit iranischer Unterstützung belegen", hieß es in einer Stellungnahme weiter. 
Fabian Drahmoune

UN werfen Israel Apartheid vor – Israel weist Kritik zurück

Das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen wirft Israel eine immer stärker werdende systematische Diskriminierung der Palästinenser im Westjordanland vor. "Ob es sich um den Zugang zu Wasser, zur Schule, den Weg ins Krankenhaus, den Besuch von Familie oder Freunden oder die Olivenernte handelt – jeder Aspekt des Lebens der Palästinenser im Westjordanland wird durch Israels diskriminierende Gesetze, Richtlinien und Praktiken kontrolliert und eingeschränkt", sagt der UN-Menschenrechtsbeauftragte Volker Türk. Der Trend habe sich sogar noch beschleunigt. 

"Das ist eine besonders schwere Form der Rassendiskriminierung und Segregation, die dem Apartheid-System ähnelt, das wir bereits kennen", sagt Türk mit Blick auf einen neuen Bericht des UN-Menschenrechtsbüros über das Leben der Palästinenser im Westjordanland und Ost-Jerusalem. Apartheid wird die Doktrin der Trennung einzelner ethnischer Bevölkerungsgruppen genannt, vor allem bis 1994 in Südafrika. 

Israel weist die Kritik als absurd und verzerrt zurück. Seine UN-Vertretung in Genf teilt mit, grundlegende Fakten, die dem Konflikt zugrunde lägen, insbesondere die schwerwiegenden Bedrohungen, denen Israel ausgesetzt seien, würden völlig ignoriert.
David Joram

Irans Präsident ruft Sicherheitskräfte zur Zurückhaltung auf

Irans Präsident Massud Peseschkian ruft die Sicherheitskräfte zur Zurückhaltung im Umgang mit den landesweiten Demonstrationen auf – solange die nationale Sicherheit nicht gefährdet wird. Der Protest von Händlern, die seit Tagen wegen der verschärften Wirtschaftskrise auf die Straße gehen, sei aus Sicht der Regierung legitim, sagt Vizepräsident Mohammed-Dschafar Ghaempanah am Rande einer Kabinettssitzung. Gegen bewaffnete Randalierer werde jedoch ohne Nachsicht vorgegangen.

Auslöser der Proteste war vor mehr als einer Woche ein Schock am iranischen Devisenmarkt, der in Teheran wütende Händler spontan auf die Straße trieb. Die Demonstrationen schlugen jedoch rasch in politischen Protest gegen die autoritäre Regierung der Islamischen Republik um – gegen den die Staatsmacht mit Härte vorgeht. Die größten Proteste gab es in den westlichen Provinzen.
Irans Präsident Peseschkian.
Irans Präsident Peseschkian. Foto: Vahid Salemi/AP/dpa/Archiv
David Joram

Erneute Gefechte in Aleppo - Tausende Menschen fliehen

Nach Ausbruch erneuter Gefechte zwischen kurdischen Kräften und Regierungstruppen in Aleppo in Nordsyrien sind Tausende Menschen aus umkämpften Stadtvierteln geflohen. Der Zivilschutz hat nach eigenen Angaben 2.324 Zivilisten aus den kurdisch kontrollierten Stadtteilen Scheich Maksud und Aschrafija evakuiert.

Das syrische Militär hatte die beiden Stadtviertel ab 15.00 Uhr (Ortszeit) als "militärisch gesperrte Zone" erklärt und auch eine Ausgangssperre verhängt. Danach begann ein gegenseitiger Beschuss zwischen Regierungstruppen und den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF), der weiter anhält.
Ein Luftbild zeigt die Zerstörung in der Stadt Aleppo Ende November 2025. Foto: Moawia Atrash/dpa
Ein Luftbild zeigt die Zerstörung in der Stadt Aleppo Ende November 2025. Foto: Moawia Atrash/dpa
Die Übergangsregierung hatte eine "begrenzte Militäroperation" in Aleppo angekündigt. Die Führung in Damaskus wirft den kurdisch angeführten SDF vor, in Aleppo Wohngebiete, Verkehrsstraßen und Sicherheitskräfte anzugreifen.

Seit dem Umbruch in Syrien Ende 2024 streben die neuen Machthaber in Damaskus eine Zentralregierung für das Land an. Das Land wurde durch die jahrzehntelange Herrschaft der Assad-Familie und den fast 14 Jahre dauernden Bürgerkrieg tief gespalten. Unter den ethnischen Minderheiten in Syrien stellen Kurden die größte Gruppe. Sie leben vor allem im Nordosten in einem selbstverwalteten Gebiet. Dort liegen auch die meisten Öl- und Gasreserven des Landes.
David Joram

Suche nach Leiche letzter israelischer Geisel wieder aufgenommen

Mitglieder der Hamas und Mitarbeiter des Internationalen Komitee vom Roten Kreuz suchen wieder nach den sterblichen Überresten der letzten im Gazastreifen verbliebenen israelischen Geisel. Das bestätigen Quellen der islamistischen Hamas. Die Suche in einem Vorort der Stadt Gaza gestaltet sich den Angaben zufolge allerdings schwierig, weil das Gebiet im Krieg zwischen Israel und der Hamas stark zerstört wurde. Auch fehle es an notwendigem technischem Gerät, heißt es.

Die Suche nach der Leiche des damals 24 Jahre alten Grenzpolizisten Ran Gvili, der am 7. Oktober 2023 beim Terrorangriff der Hamas getötet worden war, war fast einen Monat lang ausgesetzt gewesen. Die israelische Regierung hatte betont, nicht in die nächste im US-Friedensplan für Gaza vereinbarte Phase überzugehen, ehe die Leiche des Polizisten nicht zurück in Israel ist. 
Jede Minute fühlt sich wie eine Ewigkeit an, und zu wissen, dass sie jede Ecke von Gaza absuchen, um unseren Rani zu finden, gibt uns wieder Hoffnung.
Stellungnahme der Eltern
In einer vom Angehörigenforum der Geiseln veröffentlichten Stellungnahme betonten die Eltern des Mannes, sie seien erleichtert über die Wiederaufnahme der Suche. "Jede Minute fühlt sich wie eine Ewigkeit an, und zu wissen, dass sie jede Ecke von Gaza absuchen, um unseren Rani zu finden, gibt uns wieder Hoffnung", heißt es darin.
David Joram

Irans Justiz kündigt Prozesse im Schnellverfahren an

Angesichts der anhaltenden Protestwelle im Iran hat die Justiz Prozesse im Schnellverfahren angekündigt. "Zur schnellen, genauen und umfassenden Bearbeitung der Verfahren der Elemente der Unruhen wurden besondere Kammern unter Mitwirkung erfahrener Richter eingerichtet", sagt Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi laut dem Justizportal Misan.

Der Justizchef erklärt weiter, dass seine Behörden angewiesen worden seien, bei Bedarf vor Ort präsent zu sein. Justizbeamte sollen sich über die Demonstrationen informieren und die Proteste aus nächster Nähe beobachten.

Ähnliche Schnellverfahren hatte die Justiz bereits nach dem Krieg gegen Israel vor gut einem halben Jahr angeordnet, um mutmaßliche Kollaborateure mit dem Erzfeind schneller zu verurteilen. Bei den großen Protestwellen der vergangenen Jahre war dies ebenfalls ein übliches Vorgehen.
Demonstranten marschieren in der Innenstadt von Teheran bei einem Protest gegen die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen.
Demonstranten marschieren in der Innenstadt von Teheran bei einem Protest gegen die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen. Foto: Fars News Agency/AP/dpa/Archiv