Filter
Wichtige Updates
Marie Kerres

Das Wichtigste in Kürze

  • Die wichtigste Arbeit ist getan – der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD mit 144 Seiten und der Überschrift "Verantwortung für Deutschland" steht
  • Alle Vereinbarungen stehen unter dem Vorbehalt, dass der Vertrag auch von den drei Parteien abgesegnet wird.
  • Die SPD bekommt sieben Ministerien, darunter die wichtigen Häuser Finanzen und Verteidigung. Die CDU besetzt sechs Ressorts, darunter erstmals seit fast 60 Jahren wieder das Außenministerium. Die CSU erhält drei Ministerien, darunter das Innenministerium.
  • Erstmals vorgesehen ist ein Ministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung.
  • Beim Bürgergeld ist eine Verschärfung geplant, das Deutschlandticket soll weiterbestehen, die Vorratsdatenspeicherung soll wieder eingeführt werden. Auch Pendler sollen steuerlich entlastet werden.
Marie Kerres
Liebe Leserinnen und Leser, 

nach intensiven Wochen der Berichterstattung über die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD beenden wir an dieser Stelle den Liveblog. Am 9. April einigten sich die Parteien auf einen Koalitionsvertrag unter dem Titel "Verantwortung für Deutschland", der den Weg für eine gemeinsame Regierungsbildung ebnet. Während die CSU dem Koalitionsvertrag bereits zugestimmt hat, will die CDU darüber am 28. April entscheiden. Bei der SPD steht ein Mitgliedervotum an, dessen Ergebnis am 30. April erwartet wird.

Wir danken Ihnen für Ihr Interesse.
Marie Kerres

Blick in die Auslandspresse

Die in Dublin erscheinende Irish Times kommentiert den Koalitionsvertrag von Union und SPD:

Der Koalitionsvertrag zwischen Merz' Mitte-Rechts-Union und den deutlich geschwächten Sozialdemokraten, die dem Vertrag erst noch offiziell zustimmen müssen, soll bis Ende Mai den Weg für eine dringend benötigte neue Regierung ebnen.

Das wird auch höchste Zeit. Angesichts von Donald Trumps offenkundiger Abkoppelung von der Verteidigung Europas und seinen weitreichenden Zöllen (...) braucht die schwächelnde deutsche Wirtschaft dringend eine starke Medizin. Und die EU braucht ein starkes Deutschland.
Marie Kerres

"Überzeugen durch Umsetzen" – Union will Stimmung drehen

Die angestrebte Koalition aus Union und SPD will mit einem Sofortprogramm an Maßnahmen bis zum Sommer einen Stimmungsumschwung im Land schaffen. In den ersten zehn bis zwölf Wochen nach der Wahl des CDU-Chefs Friedrich Merz zum Kanzler Anfang Mai sollten die vorrangigsten Aufgaben angegangen werden, sagte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann in der ZDF-Sendung von Maybrit Illner. Ziel sei, dass "es auch in der Sommerpause schon mal eine andere Grundstimmung in Deutschland gibt".
Wir werden uns nicht streiten, weniger streiten, vielleicht kommt es mal vor. Aber wir haben es jetzt auch alle gespürt, dass wir alle eine Verantwortung haben. 
Carsten Linnemann
Umfrage
Marie Kerres

Umfrage: Begrenzte Erwartungen an künftige Koalition

Die künftigen Koalitionäre von Union und SPD müssen bei den Menschen noch viel Überzeugungsarbeit leisten, dass sie die Probleme im Land lösen können. 46 Prozent der Befragten im neuen ZDF-Politbarometer glauben, dass Schwarz-Rot einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Probleme in Deutschland leisten wird, 51 Prozent bezweifeln das. 

Nur 35 Prozent der Befragten erwarten, dass die künftige Regierung die wirtschaftliche Lage verbessern wird. 19 Prozent befürchten eine Verschlechterung, 44 Prozent glauben, dass sich an der ökonomischen Situation wenig ändern wird. 
Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz (l) und Lars Klingbeil, SPD-Fraktions- und Bundesvorsitzender haben am Mittwoch den Koalitionsvertrag vorgestellt.
Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz (l) und Lars Klingbeil, SPD-Fraktions- und Bundesvorsitzender haben am Mittwoch den Koalitionsvertrag vorgestellt. Foto: Michael Kappeler/dpa
infocom-team-news@dpa.com

Ost-Regierungschefs: Künftige Koalition muss rasch liefern 

Die Ministerpräsidenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer und Reiner Haseloff sehen noch viel nötige Überzeugungsarbeit bei der künftigen Koalition im Bund, um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Kretschmer sagt im Deutschlandfunk, das Vertrauen in die Demokratie sei erschüttert, einerseits weil viele Akteure Destruktion nährten, aber auch durch Unvermögen, Probleme zu lösen. Er rät daher: "Jetzt machen wir mal keine großen Sprüche und keine großen Ankündigungen. Sondern jetzt wird hart gearbeitet." Dann könne es in einem halben oder einem Jahr auch Erfolge geben, dann komme auch Vertrauen wieder. 

Haseloff sagt im ARD-"Morgenmagazin", man dürfe nicht erwarten, dass gleich nach der Präsentation des Koalitionsvertrages von Union und SPD ein Stimmungsumschwung erfolge. Allerdings haben die künftigen Koalitionäre aus Sicht des CDU-Politikers auch nicht viel Zeit. "Wenn jetzt nicht geliefert wird, dann wird es problematisch», sagte Haseloff. «Man muss jetzt wirklich überzeugen durch Umsetzen", fügt er hinzu.
infocom-team-news@dpa.com

Frei: Koalitionsgespräche standen Montag auf der Kippe 

Die Verhandlungen von Union und SPD über die künftige Koalition drohten in der Schlussphase noch zu scheitern. "Es gab tolle Momente. Der vergangene Montag war eher schwierig, da stand die Koalition auf der Kippe", so CDU/CSU-Parlamentsgeschäftsführer Thorsten Frei dem Tagesspiegel. CDU, CSU und SPD hatten im Mittwoch eine endgültige Einigung erzielt und ihren Koalitionsvertrag vorgelegt. 

Die künftige Bundesregierung will Frei zufolge auf weltpolitische Entwicklungen trotz der Festlegungen des Koalitionsvertrags flexibel reagieren. "Wir haben fest vereinbart, uns nicht sklavisch an den Koalitionsvertrag zu halten, wenn sich die Weltlage dramatisch verändert. Alle drei Parteien wissen, dass wir in ernsten Zeiten leben", sagt der CDU-Politiker. "Wir werden auf weltpolitische Umwälzungen und externe Schocks, die Deutschland berühren, mit der gebotenen Flexibilität reagieren." Das hätten sie sich "versprochen", so der CDU-Politiker. "So etwas muss man nicht aufschreiben."
CDU-Chef Friedrich Merz (2.v.l), die SPD-Chefs Saskia Esken (r.) und Lars Klingbeil sowie CSU-Chef Markus Söder (l.).
CDU-Chef Friedrich Merz (2.v.l), die SPD-Chefs Saskia Esken (r.) und Lars Klingbeil sowie CSU-Chef Markus Söder (l.). . Foto: Michael Kappeler/dpa
Vanessa Angermann
Vanessa Angermann

Pistorius: Schritte für neuen Wehrdienst gleich möglich

Der geschäftsführende Verteidigungsminister Boris Pistorius erwartet Tempo bei der Einführung eines neuen Wehrdienstmodells. „Wir haben in den letzten Monaten weiter an den entsprechenden Grundlagen gearbeitet, so dass die nächsten Schritte gleich nach Bildung der nächsten Regierung folgen können“, sagt der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Union und SPD wollen ein neues und zunächst auf Freiwilligkeit basierendes Wehrdienstmodell einführen. So steht es im Koalitionsvertrag.

Pistorius, der nach den Koalitionsverhandlungen seiner Partei mit der Union als gesetzt für eine weitere Amtszeit gilt, sagt, dass die Wiederaufnahme der Wehrerfassung und Wehrüberwachung erste geplante Schritte seien. S„obald das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen ist, können wir die ersten Wehrdienstleistenden aufnehmen und ausbilden“, sagt er.
Foto: Henning Kaiser/dpa
Vanessa Angermann
Vanessa Angermann

Frei verweist auf Prioritäten: Nicht alles unter Finanzvorbehalt

Die Vereinbarungen des schwarz-roten Koalitionsvertrags stehen nach Interpretation des Unionsfraktionsgeschäftsführers Thorsten Frei nur abgestuft unter Finanzierungsvorbehalt. „Es stehen nicht alle Vereinbarungen des Koalitionsvertrages unter Finanzierungsvorbehalt, denn diese Koalition hat eine klare Prioritätensetzung: Wir wollen für mehr Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit sorgen“, sagt der CDU-Politiker dem Berliner Tagesspiegel. „Viele Maßnahmen wie die Super-Abschreibungen, die Steuersenkungen, mehr Flexibilität, steuerfreie Arbeit im Rentenalter und andere mehr werden Wachstum schaffen. Das führt in der Folge dazu, dass wir noch mehr umsetzen können.“

Wörtlich haben die Koalitionsunterhändler von CDU, CSU und SPD im Vertragstext vereinbart: „Alle Maßnahmen des Koalitionsvertrages stehen unter Finanzierungsvorbehalt.“
Foto: Kay Nietfeld/dpa
Vanessa Angermann
Vanessa Angermann

Linnemann: Bis Sommer andere Stimmung in Deutschland schaffen

Die angestrebte Koalition aus Union und SPD will mit einem Sofortprogramm an Maßnahmen bis zum Sommer einen Stimmungsumschwung schaffen. In den ersten zehn bis zwölf Wochen nach der Wahl des CDU-Chefs Friedrich Merz zum Kanzler Anfang Mai sollten die vorrangigsten Aufgaben angegangen werden, sagt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann am Abend in der ZDF-Sendung von Maybrit Illner. Ziel sei, dass „es auch in der Sommerpause schon mal eine andere Grundstimmung in Deutschland gibt“.
Wir werden uns nicht streiten, weniger streiten, vielleicht kommt es mal vor. Aber wir haben es jetzt auch alle gespürt, dass wir alle eine Verantwortung haben. Und daran werden wir uns messen lassen müssen.
Carsten Linnemann
Vanessa Angermann
Vanessa Angermann

SPD-Chef erwartet mehr Zurückweisungen

Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil erwartet nach eigenen Worten, dass es unter der geplanten schwarz-roten Bundesregierung mehr Zurückweisungen an den Grenzen geben wird als unter der Ampel-Koalition. „Wir sind uns einig: Es gibt mehr Grenzkontrollen, damit gibt es auch mehr Zurückweisungen“, sagt er der Bild-Zeitung.

„Aber (CDU-Chef) Friedrich Merz und ich sind uns einig, dass es in Abstimmung mit den europäischen Partnern passiert“, fügt Klingbeil hinzu. So haben es CDU, CSU und SPD auch im Koalitionsvertrag vereinbart. Die dort getroffene Formulierung „in Abstimmung mit unseren europäischen Nachbarn“ definiert er so: „Wenn ich mich mit jemandem abstimme, dann treffe ich mit dem Gegenüber Verabredungen. Und das ist doch das, worum es geht.“ Er sei sich sicher, dass Merz als Kanzler aufgrund seiner Kontakte zu den handelnden Personen „gemeinsame Lösungen finden wird“. In der Union war „Abstimmung“ aber auch schon definiert worden als reine Information der Nachbarländer.
SPD-Chef Lars Klingbeil
SPD-Chef Lars Klingbeil. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Anne Stein

Union fordert von SPD Absage an jegliche Steuererhöhungen

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt verlangt von einer möglichen Finanzministerin oder einem möglichen Finanzminister der SPD eine generelle Absage an Steuererhöhungen. "Steuererhöhungen sind mit uns nicht zu machen. Das haben wir der SPD auch deutlich gemacht, dass das nicht geht. Jeder wird sich daran halten müssen", sagt Dobrindt im Podcast des Nachrichtenportals Table.Briefings. "Wir reden über Entlastungen in Deutschland und nicht über zusätzliche Belastungen", unterstreicht der CSU-Politiker. 
Anne Stein

Söder gibt bei Atomkraft auf

CSU-Chef Markus Söder rückt nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen von seinem Langzeit-Thema einer Reaktivierung der Kernkraft in Deutschland ab. "Die Kernenergie war nicht mehr möglich zu machen", sagt Söder in München. 

Die CSU habe den Wunsch geäußert, eine politische Mehrheit dafür sei nicht erreicht worden. "Das ließ sich nicht umsetzen", sagt Söder. "Und aufgrund des Zeitablaufes, der sich dann irgendwann auch mal ergibt, es dann wirtschaftlich irgendwann auch mal keinen Sinn mehr macht."
Anne Stein

Schulze: Deutschland bleibt verlässlicher Partner

Die geschäftsführende Entwicklungsministerin Svenja Schulze sieht den Koalitionsvertrag mit der Union als Grundlage dafür, dass Deutschland für Länder im Globalen Süden ein verlässlicher Partner bleibt. Mit dem Entwicklungsministerium werde es weiter eine treibende Kraft geben, die sich für Konfliktprävention, Zusammenarbeit und Solidarität einsetze, sagt die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

In den Gesprächen über die Bildung einer gemeinsamen Regierung hatte die Union eine Verschmelzung des Entwicklungsministeriums (BMZ) mit dem Auswärtigen Amt auf die Tagesordnung gesetzt. Nach dem Ergebnis der Koalitionsverhandlungen behält das Ministerium seine Eigenständigkeit.
Svenja Schulze (SPD), geschäftsführende Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Svenja Schulze (SPD), geschäftsführende Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Foto: Peter Kneffel/dpa
Anne Stein

Söders CSU hofft auf schnelle Regierungsbildung

CSU-Chef Markus Söder setzt nach der großen Zustimmung seiner Partei zum Koalitionsvertrag von Union und SPD auf eine schnelle Regierungsbildung. "Wir hoffen auf ein gutes Gelingen", sagt der bayerische Ministerpräsident in München. Zuvor hatte der CSU-Vorstand in einer internen Sitzung mit den CSU-Bundes- und Landtagsabgeordneten den Koalitionsvertrag einstimmig gebilligt. Die Partei ist damit die erste, die das Vertragswerk abgesegnet hat.